Kritik an der soziologischen Analyse des kapitalistischen Systems nach Marx

Ich möchte betonen, dass ich den von Marx getroffenen Konsequenzen seiner soziologischen Analyse des Kapitalismus nicht zustimme. Er selbst impliziert durch sein Werk die Diktatur des Proletariats, was meiner Meinung nach dem Streben nach humanistischen Werten innerhalb eines Gesellschaftssystems widerspricht. Der Kommunismus hat unzähliges Leid hervorgebracht im Zuge dessen Millionen von Menschen getötet wurden. Zudem wurde das Innovationspotential von Wettbewerb untergraben. Eine Ideologie, welche sich selbst als ultimative Wahrheit betrachtet, ist an Hochmut und Größenwahn nicht zu übertreffen. Lieber sollte sich an André Gide orientiert werden, der die Überzeugung vertreten hat: Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.

Die von Marx analysierte Ausbeutung der Arbeit (Exploitation der Arbeitskraft) ist allerdings ein immer noch real-existierendes Problem. Marx richtete seine Kritik direkt gegen die Unternehmer bzw. Kapitalisten. Dabei versäumte er es zwischen einem Kapitalzins und einem Geldzins zu differenzieren. Einfaches Beispiel: Ein Unternehmer hat eine innovative Lösung. Für den Kauf von Maschinen nimmt er bei der örtlichen Geschäftsbank einen Kredit in der Höhe von 10.000 Euro zu einem Zinssatz von 1 Prozent mit einer Laufzeit von einem Jahr auf. Nach einem Jahr muss er also 100 Euro an Zinszahlungen leisten, welche er sich durch die Exploitation der Arbeitskraft wieder hereinholt. Dabei spielt es keine Rolle, welche grundsätzlich ethischen Prinzipien die*der Unternehmer*in vertritt. Die Ausbeutung muss in einem System mit positiven Zinssatz erfolgen. Die Kritik von Marx hätte sich daher an den Kreditzins richten müssen mit zahlreichen anderen Forderungen.

Suhr, Dieter: Der Kapitalismus als monetäres Syndrom . Aufklärung eines Widerspruchs in der Marxschen politischen Ökonomie, Campus Verlag , Frankfurt, New York, 1988.

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